Der Sonntag begann mit Heimspielen der Damen I gegen den SV Raisting und der Damen II gegen Lenggries. Am Nachmittag griffen schließlich die jüngsten Tölzer Spielerinnen und Spieler der U10 gegen Tutzing zum Schläger. Parallel starteten die Herren I ersatzgeschwächt in das Abenteuer Südliga 2 beim Auswärtsspiel in Mittenwald.
Den Abschluss des Spieltags bildete am Montag der Saisonauftakt der Herren 70, die in der Landesliga I auf Bad Reichenhall trafen.
Frostbeulen, Mondbälle und ein CatchCar – Herren I verlieren epischen Südliga-Krimi in Mittenwald
Nach dem Herzschlagfinale mit dem Aufstieg im vergangenen Jahr stand für die Herren I nun endlich das erste Abenteuer Südliga 2 an. Die Reise führte über den malerischen Walchensee zurück zur Natur – genauer gesagt ins schattige Mittenwald bei windigen 8 Grad. Während andere Mitte Mai über Biergärten nachdenken, testeten die Tölzer lieber, ob man mit gefrorenen Fingern überhaupt noch einen Tennisschläger halten kann.
Personell erinnerte die Ausgangslage dabei eher an eine Resterampe als an einen Südliga-Kader. Krankheits-, muttertags- und studienbedingt fehlten gleich vier potenzielle Stammspieler. Der Gegner hingegen: jung, erfahren, gespickt mit Top-Spielern und offensichtlich mit dem Vorteil ausgestattet, regelmäßig draußen Sport zu treiben.
Auf Position 1 und 2 gingen Daniel „Schmusi“ Lohrer und Matze „Schmatzi“ Pielmeier gegen Gegner ins Rennen, die LK-technisch ungefähr so weit entfernt waren wie Mittenwald von der Copa Cabana. Entsprechend hatten beide wenig zu verlieren – was sie dann auch konsequent umsetzten. Warum allerdings so wenig gewonnen wurde, bleibt ihr Geheimnis. Immerhin gelang Matze beim 0:6, 1:6 ein Spielgewinn, was laut interner Mannschaftsstatistik bereits als „stabile Weiterentwicklung im fortgeschrittenen Alter“ gilt. Schmusi blieb leider komplett ohne Erfolgserlebnis und darf sich dafür laut Regelkatalog im nächsten Training auf eine sanfte Runde Arschbolzen freuen. Irgendwas gewinnt man schließlich immer.
Danach wurde es dramatisch. Max „Arda Saatci (Insider für die Jugend)“ Koch nahm sein Match offenbar als offiziellen Beitrag zum parallel stattfindenden Wings-for-Life-Run wahr. Kilometer um Kilometer – beziehungsweise Ballwechsel um Ballwechsel – kämpfte er sich durchs Match, ehe ihn erst nach verlorenem Matchtiebreak symbolisch das CatchCar einholte. Zwischenstand: 0:3.
Dann betrat Gerald von Mondball die Bühne. Offenbar hatte er nachts nicht nur sein Auto an die Ladebatterie gehängt, sondern auch sich selbst. In einem wilden Auf und Ab zwischen messerscharfen Slices und Flugkurven, für die „Mondball“ fast schon ein Kompliment gewesen wäre, rang er seinem Gegner ebenfalls im Matchtiebreak den ersten Tölzer Punkt ab. Nur noch 1:3.
Stefan „D-Train“ Dik zeigte sich bestens erholt von seinem Ausflug zu den Herren II in der Vorwoche und wirkte von Beginn an, als hätte ihn jemand versehentlich in den falschen Wettbewerb gesteckt. Mit der Körpersprache eines Regionalliga-Spielers und dem jugendlichen Leichtsinn eines Mannes, der überzeugt ist, dass Vorhand-Longline-Winner immer eine gute Idee sind, drosch er die Filzkugel durchs Mittenwalder Alpenpanorama. D-Train brachte mit krachenden Vorhänden und spektakulären Netzangriffen ein Hauch von Roland Garros auf die Anlage. Sein Gegner wusste zwischenzeitlich selbst nicht mehr, ob er Tennis spielte oder nur Statist in Stefans persönlichem Highlight-Video war. Besonders beeindruckend: Je wichtiger die Punkte wurden, desto mutiger wurde D-Train. Wo andere absichern, zog er durch. Wo normale Menschen Sicherheit suchten, suchte Stefan die Linie – und fand sie erstaunlich oft und gewann in zwei knappen Sätzen zum 2:3.
Dann kam die Stunde von Stefan „Blasi“ Blasczyk. Eigentlich kurzfristig für Aushängeschild, Starspieler und 32-fachen Clubmeister Tobi Meier ins Team gerückt, spielte Blasi plötzlich auch genau so. Nach gewonnenem ersten Satz lag er im zweiten bereits 2:5 zurück, nur um anschließend alles abzuräumen und mit 6:4 und 7:5 zu gewinnen. Ausgleich zum 3:3 nach den Einzeln – Mittenwald rieb sich verwundert die Augen, Tölz suchte vorsichtshalber schon mal bei Wikipedia unter „Sensation“.
In den Doppeln machte sich die hohe Rotation bemerkbar. Wirklich eingespielte Teams gab es nicht. Max und Matze entschieden sich daher, sich als Kaninchen vor die Mittenwalder Schlange im Einser-Doppel zu opfern. Ergebnis: HAPS. 0:6, 1:6. Manche nennen es Niederlage, andere taktische Ressourcenverteilung.
Gerald und Blasi hingegen machten einfach weiter wie im Einzel und besiegten ihre deutlich jüngeren, schnelleren, athletischeren, talentierteren – aber definitiv nicht besser aussehenden – Gegner. Ausgleich zum 4:4.
Damit musste das letzte Doppel zwischen D-Train und Schmusi die Entscheidung bringen. Das Match wogte hin und her, Aufschlagspiele wechselten regelmäßig den Besitzer. Manchmal waren die Gegner glücklicher, manchmal die Tölzer einfach nur vom Pech verfolgt. Am Ende stand jedoch ein 1:6 und 3:6 auf dem Spielberichtsbogen.
So starten die Tölzer Herren denkbar knapp mit einer 4:5-Niederlage in die neue Südliga-Saison. Die Erkenntnis des Tages: Kämpferisch passt das Niveau bereits – an der Temperaturbeständigkeit und der Doppelharmonie wird noch gearbeitet. Kommenden Sonntag wartet nun das erste Heimspiel gegen die Mannen von 1860 Rosenheim.
Damen I beschenken sich am Muttertag selbst mit Heimsieg gegen Raisting
Besser hätte der Muttertag für die Damen I des TC Rot-Weiß Bad Tölz kaum laufen können. Bei bestem Tenniswetter schenkte sich die Mannschaft mit einem 6:3-Heimsieg gegen den SV Raisting kurzerhand selbst die passenden Blumen – auch wenn einige Einzelspiele eher an emotionale Achterbahnfahrten als an einen entspannten Sonntag erinnerten.
Auf Position 1 zeigte Ivonne einmal mehr, warum Ballverteilung eine Kunstform sein kann. Mit klugen Winkeln, viel Übersicht und der Ruhe einer Schachgroßmeisterin kontrollierte sie ihr Match und gewann verdient mit 6:4 und 7:5.
Für eines der emotionalsten Highlights sorgte Theresa. Nach 16-monatiger Pause – offiziell wegen einer hartnäckigen Wadenzerrung, inoffiziell vermutlich zur vollständigen mentalen Vorbereitung auf ihr großes Comeback – meldete sie sich eindrucksvoll zurück. Mit zwei souveränen 6:4-Sätzen bewies sie, dass man Tennis offenbar nicht verlernt, sondern höchstens kurz vergisst, wie der Rückhandgriff funktioniert.
Larissa dagegen hatte es etwas komplizierter. Ihrer Gegnerin war sie körperlich und vor allem im Vorhandschwung zwar deutlich überlegen. Leider stellte sich im Laufe des Matches heraus, dass im Tennis gelegentlich auch Rückhände, Volleys und Aufschläge benötigt werden. Das 0:6, 3:6 konnte die gute Laune dennoch nicht trüben.
Im Stil einer echten Clubmeisterin holte Marion den dritten Einzelpunkt. Nach nervenaufreibendem Verlauf bewies sie im Matchtiebreak die deutlich stärkeren Nerven und gewann diesen mit 10:5. Während außen schon erste Kuchenstücke vorbereitet wurden, arbeitete sich Marion Punkt für Punkt zum Sieg.
Den wohl größten mentalen Kraftakt des Tages lieferte allerdings Maja. Nach einem über Jahre gepflegten sportpsychologischen Bermuda-Dreieck zog sie sich am Sonntag endlich selbst aus sämtlichen Schwierigkeiten – und das gleich zweimal. Mit 7:5 und 7:6 kämpfte sie sich durch zwei enge Sätze und durfte sich anschließend völlig verdient feiern lassen. Bravo!
Für die Entscheidung nach den Einzeln sorgte schließlich Jurgita mit dem fünften Punkt. Ihre Gegnerin wirkte bereits vor dem Einschlagen leicht eingeschüchtert – vermutlich hatte der beeindruckende Bizepsumfang der Tölzerin nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Der Rest war Formsache.
Mit der 5:1-Führung im Rücken konnten die Doppel anschließend deutlich entspannter angegangen werden. Schließlich wartete nach dem Spiel noch der Kuchen, und Prioritäten müssen bekanntlich gesetzt werden. Mixed-Clubmeisterin Ivana zeigte gemeinsam mit Jurgita, dass Souveränität offenbar keine Trainingspause kennt. Mit viel Ruhe und Übersicht sicherten die beiden den sechsten Punkt für Bad Tölz und rundeten damit einen rundum gelungenen Muttertag ab.
Damen II feiern historischen Derby-Kantersieg gegen Lenggries
Was sich am Sonntag auf der Anlage des TC Rot-Weiß Bad Tölz abspielte, hatte mit einem gewöhnlichen Saisonauftakt ungefähr so viel zu tun wie ein lockeres Einspielen mit einem fünfstündigen Nadal-Match auf Sand. Die Damen II lieferten im Derby gegen Lenggries II eine Vorstellung ab, die irgendwo zwischen Machtdemonstration, Tennis-Gala und sportlicher Körperverletzung einzuordnen war.
Am Ende stand ein historischer 6:0-Erfolg auf dem Spielberichtsbogen – mit 12:0 Sätzen und absurden 72:3 Spielen. Ja, richtig gelesen: Drei. Ganze. Spiele. Lenggries durfte sich also ungefähr so oft freuen wie jemand, der beim Monopoly einmal über Los zieht und danach direkt ins Gefängnis muss.
Bereits in den Einzeln machten Laura, Julia, Andrea und Katharina unmissverständlich klar, dass es an diesem Tag nur eine Richtung geben würde – nach vorne. Mit überragenden Leistungen, druckvollem Tennis und der Präzision einer Schweizer Uhr ließen sie ihren Gegnerinnen kaum Luft zum Atmen. Teilweise spielten sich die Tölzer Damen derart in einen Rausch, dass die Zuschauer zwischen spektakulären Winnern und staunendem Kopfschütteln kaum noch mit dem Zählen hinterherkamen.
Doch auch in den Doppeln ließ die Mannschaft nicht locker. Während Lenggries verzweifelt versuchte, überhaupt einmal auf der Anzeigetafel aufzutauchen, spielten sich die Tölzer Damen weiter in einen regelrechten Rausch. Jeder Punkt wurde gefeiert, jeder Ball erlaufen und jeder Winner mit der Selbstverständlichkeit eines Spitzenteams verwandelt.
Die Zuschauer waren entsprechend verzückt und schwankten irgendwo zwischen Begeisterung, ungläubigem Staunen .
Mit diesem furiosen Auftakt setzen die Damen II direkt ein dickes Ausrufezeichen in der Liga. Sollte die Mannschaft dieses Niveau halten, dürfte die Saison für die Gegner noch sehr unangenehm werden.
Gelungener Einstand der neu formierten U10 trotz Niederlage
Unsere neu formierte U10 feierte am Sonntag ihren ersten gemeinsamen Auftritt im Ligabetrieb. Entsprechend war vor den Begegnungen gegen Tutzing bei Spielerinnen, Spielern und auch den mitfiebernden Eltern eine gewisse Nervosität spürbar.
Trotz der 0:6-Niederlage zeigte das junge Team großen Einsatzwillen und kämpfte in jedem Match um jeden Punkt. Besonders erfreulich war, mit wie viel Begeisterung und Teamgeist Josip, Laurin, Severin, Linus, Felix und Anian ihren ersten Spieltag meisterten. Auch wenn die Ergebnisse noch zugunsten der Gäste ausfielen, sammelte die Mannschaft wichtige Erfahrungen für die kommenden Begegnungen und kann auf dieser Leistung aufbauen.